Schwierige Zeiten für den indischen E-Commerce
 
Chris Hutchins AvatarVon: Chris Hutchins
14. April 2016

Schwierige Zeiten für den indischen E-Commerce

Kürzliche Änderungen an der indischen Gesetzgebung erschweren es B2C-Einzelhändlern aus westlichen Ländern, ihre Produkte direkt an indische Verbraucher zu verkaufen. Laut einem Analysten von MotionPoint ist allerdings noch nicht alles verloren.

 

Es ist kein Geheimnis, dass sich der indische E-Commerce im Aufschwung befindet. Der E-Commerce des Landes wird in diesem Jahr Umsätze in Höhe von 38 Milliarden USD generieren. Dies entspricht einem atemberaubenden Wachstum von 65 % gegenüber dem Jahr 2015. Noch beeindruckender ist, dass die Umsätze des indischen E-Commerce seit 2009 sogar um unfassbare 900 % gestiegen sind.

Die indische Regierung hat Ende des vergangenen Monats einige bedeutende Änderungen an ihren Regelungen für den E-Commerce vorgenommen und weitere angekündigt. Eine der wichtigsten Änderungen besteht darin, dass indische E-Commerce-Initiativen nun vollständig durch ausländische Direktinvestitionen (ADI) finanziert werden dürfen.

Auf den ersten Blick schien diese Richtlinie in ausländischem Besitz befindliche E-Commerce-Unternehmen, wie Amazon India, das zu Alibaba gehörige Snapdeal und zahlreiche Unternehmen aus westlichen Ländern, zu begünstigen, die indische Verbraucher durch lokalisierte E-Commerce-Websites in der von diesen bevorzugten Sprachen auf direkte und authentische Art ansprechen möchten. (Und die Anzahl dieser bevorzugten Sprachen ist nicht gerade gering!)

Allerdings gibt es bei dieser Richtlinie, die zum Schutz inländischer Unternehmen festgelegt wurde, einen Haken. Diese E-Commerce-Plattformen dürfen lediglich einen digitalen Marktplatz bereitstellen – im Wesentlichen ein „virtuelles Einkaufszentrum“ – auf dem nur lokale Anbieter ihre Produkte bewerben dürfen. Somit können in ausländischem Besitz befindliche E-Commerce-Websites lediglich als eine Art Technologieplattform fungieren.

Daher können diese Unternehmen nicht Inhaber der Produkte sein, die von lokalen Anbietern verkauft werden und haben auch keinen Einfluss auf die Preise. „Somit können diese Unternehmen den Verbrauchern im Wesentlichen keine großen Rabatte mehr anbieten“, heißt es in einem kürzlichen VCCircle-Bericht, „die ein Alleinstellungsmerkmal vieler Online-Händler waren ... (Dies war) ein entscheidender Faktor für das Wachstum des E-Commerce in Indien."

In einem kürzlichen Bloomberg-Bericht stand in diesem Zusammenhang geschrieben: „Obwohl ausländische Unternehmen den Einzelhandel vereinfachen können, werden sie keine richtigen Einzelhändler mehr sein“.

Diese Richtlinie ist eine Folge der Forderungen nach Schutz vor ausländischen Unternehmen, die indische Einzelhändler bereits seit Jahren gestellt haben. Im vergangenen Jahr hat die Retailers Association of India am Delhi High Court Amazon wegen vermeintlicher Verletzungen gegen Gesetze zur Regelung von Investitionen durch ausländische Unternehmen verklagt. Amazon hatte indischen Verbrauchern 3-USD-Geschenkzertifikate ausgestellt. Die Folge war ein Beschwerdeschreiben an das Department of Industrial Policy & Promotion. In diesem Beschwerdeschreiben des Einzelverbands hieß es unter anderem: „Gilt dies etwa nicht als B2B-Transaktion, obwohl den Einzelhandelskunden Bargeld direkt angeboten wird?“.

Obwohl das Gericht noch nicht endgültig über diesen Fall entschieden hat, legt die im März festgelegte Richtlinie – die laut einer indischen Unternehmenswebsite endlich „Klarheit in einen Sektor bringt, in dem es zuvor keine gab“ – den Plänen unzähliger ausländischer Unternehmen Steine in den Weg, die ihre Produkte direkt an indische Verbraucher verkaufen wollen.

Doch gibt es für westliche und Unternehmen aus anderen Ländern eventuell einen Silberstreif am Horizont? Wir haben mit Eric Watson, einem Global Online Strategist unseres Global Growth Teams, über dieses Thema gesprochen.

„Diese Reformen sind für unsere internationalen Kunden aus dem B2C-E-Commerce nicht ideal“, sagt Watson. „Die meisten traditionellen Marken aus westlichen Länder werden nicht mehr in der Lage sein, mithilfe von MotionPoint lokalisierte, indische Websites einzuführen und über diese ihre Produkte zu verkaufen. Allerdings könnten wir ihre Produktfeeds übersetzen, die sie dann an einen dieser „Marktplätze“, wie Amazon India oder ein anderes virtuelles Einkaufszentrum, senden können.“

In diesem B2C-Ansatz steckt sicherlich ein gewisses Potenzial. Allerdings gibt es laut Watson noch bessere Neuigkeiten für den B2B-E-Commerce und andere Branchen. Schließlich seien durch andere kürzliche Reformen die Bestimmungen und Regelungen für ausländische Direktinvestitionen in anderen Sektoren außerhalb des E-Commerce etwas gelockert worden.

In einer Analyse von New Delhi Television Limited heißt es: „Die Hersteller haben versprochen, ihre Produkte über den Groß- und Einzelhandel, also auch über den E-Commerce, u vertreiben. Außerdem wurde es einem Unternehmen gestattet, seine Geschäfte im Großhandel, Abholgroßmarkt und Einmarken-Einzelhandel auszuüben.“

Diese Unternehmen können ihre Güter oder Waren „an Einzelhändler, Industrie-, gewerbliche, institutionelle oder andere professionelle Geschäftsanwender oder an andere Großhändler und verbundene, untergeordnete Dienstleister verkaufen“, hieß es in einem kürzlichen LiveMint-Bericht.

Dies bedeutet, dass „in einigen dieser Fälle jetzt ausländische Direktinvestitionen zu 100 % erlaubt sind“, erklärt Watson. „Das sind sehr gute Neuigkeiten für unsere bestehenden oder potenziellen neuen B2B-Kunden, die an einer Expansion in den indischen Markt interessiert sind, auch da die Bürokratie deutlich abgebaut wird. Somit sind in diesem Sektor direkte Verkäufe möglich.“

Fazit: Diese kürzlichen Änderungen an der Gesetzgebung haben keine gravierenden Folgen für die Situation des B2C-E-Commerce in Indien, legen allerdings klar die Regeln fest. „Allerdings begünstigen sie die Investitionen innerhalb des Landes und die B2B-Websites, die diese Projekte fördern“, schließt Watson ab.

 

Chris Hutchins

Marketing Communications Specialist

Die Aufgabe von Chris Hutchins bei MotionPoint besteht unter anderem darin, Vertriebs- und Marketingmaterialien zu erstellen.

 

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