Soziale Medien in Japan
 
Victoria Bloyers AvatarVon: Victoria Bloyer
10. November 2015

Soziale Medien in Japan

Soziale Netzwerke sind in Japan ein entscheidender Kommunikationskanal, um neue Kunden zu gewinnen und die Treue bestehender Kunden sicherzustellen. Allerdings ist es von zentraler Bedeutung, die speziellen Merkmale jedes einzelnen Netzwerks zu kennen, um eine hohe Einbindung und Umsätze zu erzielen.

 

Heutzutage ist die Verwaltung von Social-Media-Konten ein Standardverfahren der Marketingabteilung und des Kundenservice vieler Unternehmen. Die Forschung hat ergeben, dass sich diese Strategie zunehmend lohnt, da das Social Media Marketing die Markenpräsenz fördert, eine aktive Fangemeinde aufbaut, die Anzahl an Seitenzugriffen auf Websites steigert, zur Gewinnung neuer Kunden beiträgt und wertvolle Markteinblicke bietet.

Natürlich erstreckt sich dieses Phänomen – und die Vorteile, die es für Unternehmen erzeugt – weit über die Grenzen englischsprachiger Länder hinaus. Dennoch gibt es dabei einen Haken: Unternehmen, die auf globaler Ebene wachsen und ihre Online- und Social-Media-Aktivitäten in neue, internationale Märkte erweitern möchten, müssen berücksichtigen, dass nicht alle sozialen Netzwerke dieselben Merkmale aufweisen.

Ein Beispiel: Zwar erfreut sich Facebook in den USA einer riesigen Fangemeinde, allerdings hält sich die Begeisterung für dieses soziale Netzwerk in anderen Ländern doch beträchtlich in Grenzen. Während Menschen aus westlichen Ländern möglicherweise noch nie von einem Netzwerk gehört haben, kann dieses ein Marktführer auf globalen Schlüsselmärkten sein.

Falls Ihr Unternehmen ein globales Wachstum anstrebt, muss es seine Zielmärkte und die auf diesen Märkten bevorzugten sozialen Netzwerke genau kennen, um das Interesse der Kunden zu gewinnen und Markenbekanntheit aufbauen zu können.

In diesem Artikel möchten wir uns mit Japan beschäftigen. Dieses Land ist ein aufstrebender Markt, auf dem soziale Netzwerke in der Kommunikation und für den Aufbau von Markenbewusstsein eine entscheidende Rolle spielen.

Nutzung von Mobilgeräten und sozialen Medien

In Japan greifen 67 % der Bevölkerung über Mobilgeräte auf das Internet zu und dieser Wert soll im nächsten Jahr auf 73,5 % ansteigen.

Die Liebe zu Smartphones scheint in der japanischen Kultur fest verankert zu sein. Bereits vor dem Zeitalter der Smartphones war Japan ein führender Anbieter mobiler Technologien, der schon in den frühen 2000er-Jahren fortschrittliche Klapphandys entwickelte, mit denen man Fotos aufnehmen, Musik herunterladen und Fernsehsender und Filme streamen konnte. Diese leistungsstarken Geräte konnten außerdem dazu genutzt werden, elektronische Zahlungen zu tätigen, eine Zahlungsmethode, die sich erst nach vielen Jahren auch in andern Ländern etablieren konnte.

Eine weitere, beliebte Funktion dieser von den Japanern früh entwickelten Handys war der Internetzugang. Auch Jahre später hat dieser Trend bei dem Wechsel zu Smartphones nicht nachgelassen, sodass heute knapp die Hälfte der japanischen Bevölkerung Smartphones nutzt, um auf das Internet zuzugreifen. Ein sogar noch überzeugenderer Aspekt ist, dass über 90 % über ihre Smartphones soziale Medien nutzen.

Allerdings werden soziale Medien über alle Geräte, nicht ausschließlich über Mobilgeräte, genutzt. Laut einer Umfrage des japanischen Ministeriums für Auswärtige Angelegenheiten und Kommunikation nutzen beinahe 57 % der japanischen Bevölkerung soziale Medien. Die Umfrage hat folgende Ergebnisse der Nutzung von Social Media nach Altersgruppen ergeben:

  • 76 % der japanischen Jugendlichen
  • 91 % der Personen in den 20ern
  • 80 % der Personen in den 30ern
  • 60 % der Personen in den 40ern

Die Zahlen sprechen für sich: Die japanische Bevölkerung nutzt regelmäßig über ihre Smartphones soziale Medien im Internet. Doch welche sozialen Netzwerke sind in diesem Land am beliebtesten? Finden wir es heraus. (Ein Tipp: Es ist nicht Facebook.)

LINE

LINE ist eine kostenlose Social-Media-Anwendung, die im Jahr 2011 von NHN Japan, einer japanischen Tochtergesellschaft des südkoreanischen Unternehmens Naver entwickelt wurde. Ähnlich wie Facebook, kann auch LINE über einen Computer oder als mobile App genutzt werden. Diese Anwendung wurde perfekt auf die japanische Kultur zugeschnitten, die Smartphones liebt und diese vor allem auf den langen Strecken in öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit nutzt.

Als führende Social-Media-Plattform in Japan verfügte LINE im Jahr 2014 in Japan bereits über knapp 50 Millionen registrierte Nutzer. In diesem Jahr gab knapp die Hälfte der japanischen Internetnutzer an, LINE zu verwenden. In diesem Jahr ist dieser Anteil auf 57,5 % angestiegen, sodass LINE seine Position als führende Social-Media-Plattform in Japan weiter ausweiten konnte.

LINE wird von Nutzern jeden Geschlechts und aller Altersgruppen verwendet. Die Mehrheit der Nutzer sind entweder Vollzeitbeschäftigte (38 %), Teilzeitbeschäftigte oder Hausfrauen (30 %). Weitere 20 % der Nutzer sind Schüler oder Studenten. Dies bedeutet, dass eine soziale Präsenz auf LINE Zugang zu einem demographisch vielfältigen Markt bietet, mit Nutzern, die über eine enorme Kaufkraft verfügen.

Nun möchten wir Ihnen einige der besonderen Funktionen von LINE vorstellen: Wie andere Social-Media-Plattformen verfügt auch LINE über eine Homepage mit einer Timeline-Funktion. Sie ermöglicht es ihren Nutzern, private Nachrichten und Sprachaufnahmen zu verschicken, Bilder, Filme und Musik zu teilen und GPS zu nutzen. Darüber hinaus können Gruppennachrichten (an bis zu 200 Kontakte) verschickt und Nachrichten auf Message Boards gepostet werden. Außerdem können über diesen Service kostenfrei Sprach- und Videoanrufe getätigt werden.

Eine enorm beliebte Funktion von LINE ist der „Sticker-Shop“, in dem Nutzer oftmals kostenlos virtuelle Sticker herunterladen und an ihre Freunde verschicken können. Diese Nachrichten enthalten ebenfalls häufig süße Emoticons. (Facebook hat im Jahr 2013 eine ähnliche Funktion eingeführt.) Das Design dieser Sticker ist besonderen Anlässen gewidmet und beinhaltet üblicherweise berühmte Cartoon- und Filmcharaktere. Berichte haben ergeben, dass jeden Tag über LINE 1 Milliarden Sticker verschickt werden.

Darüber hinaus bietet LINE eine vielversprechende Funktion für Geschäftszwecke, ein öffentliches B2C-Konto, an. Ähnlich wie bei „verifizierten Konten“ oder „Unternehmenskonten“ anderer Netzwerke, können Unternehmen auch über dieses Konto direkt mit engagierten LINE-Nutzern kommunizieren und Marketingmaßnahmen an diese richten. Das Teilen von Neuigkeiten, Benachrichtigungen über Werbeaktionen und Ankündigungen von Rabattaktionen sind einige der gängigen Praktiken.

Obwohl LINE in vielerlei Hinsicht anderen Social-Media-Plattformen enorm ähnelt, gibt es dennoch einen Aspekt, der dieses Netzwerk einzigartig macht: All seine Funktionen können nahtlos in eine einzige Online-Umgebung integriert werden. (Die niedlichen Sticker und Emoticons erhalten Sie als Bonus dazu.)

Falls Ihr Unternehmen vorhaben sollte, in den japanischen Online-Markt zu expandieren, steht es somit außer Frage, dass es sich bei LINE ein Konto erstellen sollte.

Twitter, Facebook und andere Netzwerke

Twitter ist das zweitbeliebteste soziale Netzwerk in Japan, das im Jahr 2015 von 36,6 % der Social-Media-Nutzer des Landes verwendet wurde. Interessanterweise ist dieser Anteil der Nutzer in diesem Jahr gegenüber den 41,9 % aus dem Jahr 2014 zurückgegangen.

Facebook hat im Verlauf des vergangenen Jahres einen vergleichbaren Rückgang erleiden müssen. Zwar steht Facebook auf globaler Ebene auf Platz 1 der Social-Media-Plattformen, allerdings liegt es mit einem Anteil von nur 34,7 % der Nutzer sozialer Medien auf dem dritten Rang in Japan. Dies bedeutet einen Rückschritt gegenüber den 39,9 % im Jahr 2014.

Doch was sind die Ursachen der geringen Nutzungsrate und des aktuellen Verlusts an Nutzern dieses beliebten westlichen Netzwerks? Wir sind der Ansicht, dass dies vor allem auf Facebooks Richtlinie zurückzuführen ist, die von Nutzern verlangt, ihre realen Namen anzugeben (eine Richtlinie die, nebenbei bemerkt, leicht umgangen werden kann). Dies schreckt viele Japaner ab, die sehr auf den Schutz ihrer Privatsphäre bedacht sind, und demnach Social-Media-Plattformen wie LINE und Twitter bevorzugen, die ihnen die gewünschte Anonymität bieten.

Zwei weitere Netzwerke, Skype und Google+, die aktuell von jeweils 11,4 % der japanischen Nutzer von Social-Media-Netzwerken verwendet werden, verloren gegenüber dem Vorjahr 2014 ebenfalls einen Anteil von 5 % bis 6 % der Nutzer.

Den größten Rückgang aller Social-Media-Plattformen musste allerdings Mixi erleiden, ein ausschließlich in Japan verfügbares soziales Netzwerk, das einst das beliebteste Netzwerk des Landes war. Im vergangenen Jahr war es mit einem Anteil von knapp 20 % an Nutzern, die ihm die Treue hielten, beliebter als Skype und Google+. In diesem Jahr ging der Anteil allerdings auf 10 % zurück, da sich viele der Nutzer beliebteren Netzwerken zuwandten.

Ein neuer Herausforderer ist Instagram, die beliebte, westliche Social-Media-App zum Teilen von Fotos und Videos. Der mit einem Anteil von 10 % an Social-Media-Nutzern bereits jetzt enorme Erfolg ist offensichtlich auf die besondere Liebe der Japaner zu Smartphone-Kameras zurückzuführen.

Erkenntnisse

Social-Media-Plattformen sind unbestreitbar wertvolle Tools zum Aufbau von Kundenbeziehungen und der Kommunikation mit Ihren Kunden. Allerdings ist es von zentraler Bedeutung, die speziellen Merkmale jedes einzelnen Markts und der darauf bevorzugten Social-Media-Plattformen zu kennen, um eine hohe Einbindung und Umsätze zu erzielen.

Vergleichbar mit geplanten Renovierungsarbeiten an einem Haus, müssen Sie auch vor Ihrer geplanten Online-Expansion in Erfahrung bringen, welche Hilfsmittel (in diesem Fall, welche Social-Media-Plattformen) Sie idealerweise nutzen sollten. Diese Nachforschungen sollten sich auch auf Partner oder Lieferanten beziehen, die Ihnen dabei helfen könnten, Ihre Vision zu realisieren. Manchmal ist es das Beste, jemanden zu fragen, der auf dem jeweiligen Gebiet ein Fachmann ist.

Dasselbe gilt für Ihre internationale Social-Media-Strategie sowie jede beliebige andere Strategie: Machen Sie Ihre Hausaufgaben und lassen Sie sich von Experten beraten.

 

Victoria Bloyer

Global Online Strategist

Victoria Bloyer ist Global Online Strategist mit regionsspezifischen Fachkenntnissen des japanischen Markts, einem Land, in dem sie 9 Jahre lang lebte. Sie hat im Jahr 2014 ihren Master-Abschluss in Regional Sciences an der Tokushima University (Tokushima, Japan) erworben. Darüber hinaus verfügt sie über einen Bachelor-Abschluss in Asian Studies. Bevor sich Bloyer dem Global Growth Team von MotionPoint anschloss, arbeitete sie in den Bereichen Übersetzungen und Bildung. Zuletzt arbeitete sie für einen Verlag, wo sie erstmals Einblicke in das Content Marketing erhielt und sogar Co-Autorin eines Buchs war. Sie hat eine Leidenschaft dafür, die Best Practices für globale Nutzererfahrungen herauszufinden und Unternehmen dahingehend zu beraten, wie diese Tools und Techniken effektiv implementiert werden können, um bei Online-Expansionen einen optimalen Erfolg und eine maximale Kundenzufriedenheit zu erreichen.

 

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