Internationale Unternehmensstrategien

Die Macht der wachsenden globalen Mittelschicht (Teil 1)

Verbraucher auf aufstrebenden Märkten profitieren enorm von den Änderungen in der globalen Wirtschaft. Erfahren Sie, warum Ihr Unternehmen diese wohlhabenden Verbraucher online bedienen sollte.

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Chris Hutchins

19. Januar 2017

LESEDAUER: 6 MIN.

Anmerkung der Redaktion: Dies ist Teil 1 einer 2-teiligen Reihe. Hier finden Sie Teil 2.

In dieser Woche nehmen über 2.500 Führungskräfte aus den Bereichen Bildung, Wirtschaft und Politik am World Economic Forum (Weltwirtschaftsforum) in Davos in der Schweiz teil, um über zahlreiche Themen, von künstlicher Intelligenz und Klimawandel bis hin zu Kapitalismus und Globalisierung, zu diskutieren.

In diesem Jahr gibt es einige sehr berühmte Teilnehmer: darunter der chinesische Staatspräsident Xi Jinping, der ehemalige Vizepräsident der Vereinigten Staaten, Joseph Biden, der CEO von JPMorgan Chase und der Managing Director des Internationalen Währungsfonds. Allerdings weisen Berichte darauf hin, dass den Teilnehmern trotz teurem, gekühltem Champagner wohl kaum zum Feiern zumute sein dürfte.

Diese Experten, die üblicherweise für die Globalisierung eintreten, erscheinen beeinträchtigt durch die kürzlichen Ereignisse auf ausgereiften Märkten wie Großbritannien und den USA. Schließlich wissen sie, dass ihre Mittelschicht offensichtlich mit der Entscheidung zu einem Brexit und dem Ausgang der US-Präsidentschaftswahl nicht glücklich ist. Obwohl 2015 ein erfolgreiches Jahr für die US-amerikanische Mittelschicht war, in dem das durchschnittliche Haushaltseinkommen um 5,2 % gestiegen ist und somit als das erfolgreichste Wirtschaftsjahr seit Jahrzehnten gefeiert werden konnte, sind die Schäden der globalen wirtschaftlichen Rezession immer noch spürbar.

Laut Analysten hat dieses Jahrzehnt „eines stagnierenden durchschnittlichen Einkommens und eines schleppenden Wirtschaftswachstums“ dazu geführt, dass diese Verbraucher der Globalisierung misstrauisch gegenüberstehen. In der Zwischenzeit hat der chinesische Staatspräsident in Davos am Dienstag eine Rede gehalten, in der er durch folgende Worte die wirtschaftliche Globalisierung angepriesen hat:

„Die Verfechtung eines Protektionismus ist, als würde man sich selbst in einen dunklen Raum einsperren. Auch wenn man den Wind und den Regen draußen hält, können weder Licht noch Luft eintreten. Aus diesem Handelskrieg wird niemand als Sieger hervorgehen.“

Es ist nicht verwunderlich, dass China und andere wichtige internationale, aufstrebende Märkte die Globalisierung und den Welthandel verfechten: Schließlich haben diese Länder in den vergangenen 10 Jahren am meisten Umsatzwachstum und Infrastrukturverbesserungen genossen und von dem globalen Handel profitiert. Die Lebensqualität dieser Verbraucher ist enorm gestiegen. Die globale Mittelschicht hat ein unglaubliches Wachstum erlebt und besteht heute aus über 2 Milliarden Menschen, wobei davon ausgegangen wird, dass diese Anzahl im Jahr 2030 bei knapp 5 Milliarden liegen wird.

Im Folgenden möchten wir darauf eingehen, was die „globale Mittelschicht“ genau ist und warum Ihr Unternehmen diese heute und in Zukunft unbedingt bedienen sollte.

Ein atemberaubendes Wachstum

Es ist unbestritten, dass auf aufstrebenden Märkten in den letzten Jahren das größte Wirtschaftswachstum beobachtet werden konnte. Darüber hinaus bieten sie expandierenden Unternehmen die vielversprechendsten Bedingungen zum Unternehmenserfolg – vor allem online. Ergebnisse einer Untersuchung des Pew Research Center aus dem Jahr 2016 weisen darauf hin, dass die Ausgaben der Mittelschicht in Entwicklungsländern im letzten Jahrzehnt um durchschnittlich 0,5 % angestiegen sind und in Entwicklungsländern jährlich ein durchschnittliches Wachstum von 8 % beobachtet werden kann.

Laut einem Bericht von Internet Retail aus dem Jahr 2016 wird die globale Mittelschicht um knapp 200 % wachsen und bis zum Jahr 2030 aus 4,9 Milliarden Menschen bestehen. In einem Artikel von Credit Suisse aus dem vergangenen Jahr hieß es, dass zwischen 2014 und 2015 über 100 Millionen Haushalte in die Mittelschicht aufgestiegen sind.

Dieses Wachstum lässt sich vor allem in Osteuropa, Lateinamerika und Asien beobachten. Beispielsweise werden bis 2030 „zwei Drittel der globalen Mittelschicht aus Ländern aus der Region Asien-Pazifik stammen ... aus Europa und Nordamerika im Vergleich dazu lediglich ein Fünftel", hieß es in einem The-National-Interest-Bericht aus dem Jahr 2015.

Außerdem weisen Forschungsergebnisse darauf hin, dass auch in Zukunft der größte Anteil am Wachstum in Asien erfolgen wird. Euromonitor International hat vier asiatische Märkte mit dem größten „Mittelschicht-Potenzial“ identifiziert: China, Indien, Indonesien und die Philippinen. Dies bedeutet, dass die dortige Bevölkerung vom steigenden wirtschaftlichen Wohlstand und der stärkeren Einbeziehung von Konsumenten profitieren wird.

„Dieses Wachstum wird die Verteilung des Wohlstands auf der Welt von Grund auf ändern“, schrieben Analysten von Ernst & Young in einem Artikel, der im Jahr 2015 veröffentlicht wurde. Durch die Ansprache spezieller Märkte, auf denen die Mittelschicht proportional zum Wirtschaftswachstum wächst, können sich Marken und Unternehmen schnell an das Kaufverhalten und die Bedürfnisse dieser Verbraucher anpassen. Diese Konsumenten wünschen sich beliebte und begehrenswerte Marken, Produkte und Reiseangebote aus westlichen Ländern.

In einem Artikel von McKinsey bezeichneten Analysten dieses Phänomen als den „Anstieg der Verbraucherklasse“. Nach tausenden Jahren wirtschaftlicher Dominanz durch westliche Länder verlagert sich das weltweite Wirtschaftszentrum ihrer Meinung nach einmal mehr weiter in Richtung Osten.

Einzigartige Geschäftschancen

Die globale Mittelschicht ist allerdings nicht der einzige Aspekt dieses Phänomens. Die Smartphone- und Internetnutzung nimmt auf diesen Märkten in schwindelerregender Geschwindigkeit zu und lockt internationale Händler und Marken an, die immer mehr Investitionen in die Infrastruktur tätigen – von digitalen Zahlungsplattformen bis hin zur Auftragsabwicklung. Dies führt zu einem enormen Aufschwung des E-Commerce in der Region. Es kann davon ausgegangen werden, dass auf diesen Märkten Smartphones und der M-Commerce ihre Vormachtstellung auch langfristig verteidigen werden. In einem Artikel von Cisco Systems wird erwartet, dass bis zum Jahr 2019 knapp 70 % des gesamten mobilen Datenverkehrs über 4G-Netzwerke erfolgen wird (dieser Anteil lag im Jahr 2014 noch bei 40 %). Ein Wirtschaftsforscher von Nielsen ist sogar der festen Überzeugung, dass Konsumenten jetzt und in Zukunft auf traditionelle E-Commerce-Käufe bspw. über Desktop-PCs verzichten und direkt zu ihrem Smartphone greifen werden. Aus diesem Grund ist es für expandierende Unternehmen von entscheidender Bedeutung, eine mobile M-Commerce-Strategie für diese Märkte zu entwickeln.

Der grenzüberschreitende Handel wird auf diesen Märkten ebenfalls üblich sein und Neueinsteigern überzeugende Geschäftschancen bieten. Bereits heute tätigen asiatische, brasilianische und mexikanische Verbraucher 25 % ihrer Online-Käufe auf Websites internationaler Unternehmen. Eine andere Umfrage hat ergeben, dass knapp 60 % der chinesischen Online-Verbraucher bei internationalen Online-Händlern einkaufen.

Der E-Commerce auf Märkten in der Region Asien-Pazifik hat im vergangenen Jahr einen Gesamtumsatz von 1 Billion USD erreicht (dies entspricht einem Anstieg im Gegensatz zum Vorjahr um knapp 32 %). Dieser wird bis zum Jahr 2020 voraussichtlich bei 2,73 Billionen USD liegen. In diesem Zusammenhang wird China den größten Anteil am Wachstum und Umsatz haben: In einem Bericht von Nielsen aus dem Jahr 2015 schrieben Analysten von einem „Online-Shopping-Boom“, der zu einem jährlichen Umsatzwachstum in zweistelliger Höhe führt. In anderen Branchen wie dem Online-Banking und der Reisebranche kann auf diesen aufstrebenden Märkten ebenfalls ein Wachstum beobachtet werden.

Knapp 100 % der Teilnehmer an der Umfrage von Nielsen aus dem Jahr 2015 gaben an, online Käufe zu tätigen. Dies weist darauf hin, dass sich das chinesische Kaufverhalten sehr schnell online verlagert. Der südostasiatische Markt wird kurzfristig unter den unterentwickelten digitalen Zahlungsmethoden und Logistiklösungen leiden, doch wird dieser Zustand nicht für immer andauern.

Fortsetzung folgt ...

Morgen werden wir einen weiteren Artikel veröffentlichen, in dem wir weiter auf die wachsende Mittelschicht eingehen und Ihnen erklären werden, wie Ihr Unternehmen diese Verbraucher durch übersetzte und lokalisierte Online-Inhalte und E-Commerce-Erlebnisse effektiv ansprechen kann. Darin werden wir einen kritischen Blick auf dieses Phänomen werfen und Ihnen die Meinung eines Analysten des Global Growth Teams von MotionPoint präsentieren. Schließlich haben einige Analysten sehr unterschiedliche Ansichten über dieses globale Wachstum.

In der Zwischenzeit empfehlen wir Ihnen, diese Artikel in unserem Blog zu lesen, um die Best Practices kennenzulernen, mit denen Sie erfolgreich in diese aufstrebenden Märkte expandieren können:

Wir werden den 2. Teil morgen veröffentlichen!

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Chris Hutchins

19. Januar 2017

LESEDAUER: 6 MIN.

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