Ist Englisch eigentlich noch immer die „lingua franca“ des Internets?

Unternehmen haben globale Verbraucher über Jahre ausschließlich über englischsprachige Websites bedient. War das die ganze Zeit ein Fehler?

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Craig Witt

06. Februar 2018

LESEDAUER: 3 MIN.

Die Sprache fördert die menschlichen Verbindungen und hat einen enormen Einfluss auf unseren Alltag – sowohl in der realen Welt, als auch online. In der globalen Online-Geschäftswelt vertrauen Verbraucher wesentlich mehr auf Websites, die in den von ihnen bevorzugten Sprachen verfasst sind, und tätigen auf diesen Websites auch mehr Käufe.

Dennoch erkennen viele führende Unternehmen erst jetzt den entscheidenden Stellenwert, den Sprache für globale Online-Verbraucher hat. Sie bestimmt nicht nur unsere Online-Kommunikation und unser Online-Verhalten, sondern beschränkt ebenfalls die Informationen, auf die wir Zugriff erhalten.

Verbraucher bringen Websites, die in der von ihnen bevorzugten Sprache verfasst sind, ein höheres Vertrauen entgegen und konsumieren mehr.

Vor 20 Jahren haben Forscher herausgefunden, dass etwa 80 % der Online-Inhalte in englischer Sprache verfasst waren. Ein keinesfalls überraschendes Ergebnis, wenn man bedenkt, dass das Internet ursprünglich in den Vereinigten Staaten und Großbritannien entstanden ist und bei den Menschen in diesen Ländern schnell angenommen wurde.

Heute benötigen Unternehmen weitaus mehr als ausschließlich in englischer Sprache verfasste Websites, wenn Sie effektiv das Interesse globaler Verbraucher wecken möchten. Das Internet und die Welt haben sich seit Mitte der 90er-Jahre enorm verändert. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen sich Unternehmen diesen schnellen Entwicklungen anpassen.

Heute herrschen andere Bedingungen als früher

Der dramatische Anstieg der Internetnutzung innerhalb des vergangenen Jahrzehnts hat sich stark auf die Online-Inhalte ausgewirkt. Die Anzahl der Internetnutzer weltweit liegt bei etwa 3,6 Milliarden Menschen, was gegenüber den 2,21 Milliarden Nutzern im Jahr 2015 einen Anstieg von knapp 60 % bedeutet. Ein Großteil dieses Wachstums ist auf aufstrebenden Märkten zu beobachten, auf denen Englisch falls überhaupt als Sekundärsprache gesprochen wird.

Von Mitte der 90er- bis Mitte der 2000er-Jahre ist der Anteil englischsprachiger Inhalte bei allen Online-Inhalten von 80 % auf etwa 45 % gefallen. Bei einigen Experten lag dieser Anteil sogar bei unter 40 %. Dieser Trend wurde durch die steigende, globale Nutzung von Mobilgeräten und Smartphones sowie das Entstehen von Social Media begünstigt.

Eine Studie aus dem Jahr 2011 hat einen atemberaubenden Anstieg der Anzahl an nicht-englischsprachigen Websites ergeben, vor allem in arabischer, russischer, chinesischer und spanischer Sprache. Chinesisch ist aktuell die zweitgängigste Online-Sprache, deren Anteil sich seit dem Jahr 2000 um überwältigende 2.227 % gesteigert hat. Die spanischen Inhalte liegen mit Abstand an dritter Stelle, während die arabischsprachigen Inhalte an vierter Stelle ein rasantes Wachstum zeigen.

Der abnehmende Anteil englischsprachiger Inhalte lässt sich bereits in den sozialen Medien beobachten. Im Hinblick auf die Internet- und Social-Media-Nutzung sind China und Indien weltweit führend. Bis zum Jahr 2023 wird knapp die Hälfte der chinesischen Bevölkerung soziale Netzwerke nutzen. China ist kein Markt, auf dem die englische Sprache dominiert, und in Indien sind knapp 90 % der Bevölkerung der englischen Sprache nicht mächtig.

Studien weisen darauf hin, dass etwa die Hälfte aller Twitter-Posts nicht in englischer Sprache verfasst werden – in dieser Hinsicht sind Nutzer aus Japan, Spanien, Portugal und Indonesien führend.

Die Nutzung sozialer Medien ist auf globalen Märkten, auf denen Englisch nicht sehr weitläufig verwendet wird, besonders hoch.

Der Einfluss auf das Geschäft

Diese sich immer weiter verändernde, sprachliche Landschaft hat einen großen Einfluss auf das globale Online-Geschäft. In einer Umfrage von Common Sense Advisory aus dem Jahr 2006 gaben 73 % der Befragten an, dass sie wahrscheinlicher Käufe auf in ihrer Muttersprache veröffentlichten Websites tätigen. Acht Jahre später führte die Organisation eine weitreichendere Studie durch. Inzwischen war die Nachfrage der Verbraucher auf 75 % angestiegen.

Die Studie aus dem Jahr 2014 ergab, dass knapp 60 % der Befragten entweder „mehr Zeit auf Websites in ihrer Muttersprache als auf Websites in englischer Sprache verbringen“ oder „sich vollständig von englischsprachigen Websites abwenden“. Darüber hinaus gaben die globalen Verbraucher an, eher mehr Geld für Artikel auszugeben, wenn die Beschreibungen in der von ihnen bevorzugten Sprachen zur Verfügung stehen.

Dieser Trend lässt sich nicht nur auf aufstrebenden Märkten beobachten. Bei einer Studie aus dem Jahr 2011 gaben 90 % der befragten, europäischen Online-Verbraucher an, Websites in ihrer Muttersprache zu bevorzugen, wenn sie die Wahl haben. Knapp 20 % gaben an, dass sie niemals Websites besuchen, die nicht in ihrer Sprache zur Verfügung stehen.

Außerdem gaben über 40 % der Befragten an, niemals Produkte und Dienstleistungen auf in anderen Sprachen verfassten Websites zu kaufen.

Fazit

Eines ist offensichtlich: Die englische Sprache ist bereits seit vielen Jahren nicht mehr die lingua franca des Internets. Außerdem werden aufgrund des globalen Anstiegs der Internetnutzung nicht-englischsprachige Inhalte für Unternehmen immer entscheidender.

Um global wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen Unternehmen unabhängig von der Branche lokalen Verbrauchern Online-Inhalte in den bevorzugten Sprachen über die von ihnen gewünschten Geräte anbieten. Eine Befolgung dieser Best Practices ist von entscheidender Bedeutung, um internationale Unternehmenserfolge zu erreichen.

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Craig Witt

06. Februar 2018

LESEDAUER: 3 MIN.