Ist Englisch eigentlich noch immer die „lingua franca“ des Internets?
 
Chris Hutchins AvatarVon: Chris Hutchins
28. November 2016

Ist Englisch eigentlich noch immer die „lingua franca“ des Internets?

Unternehmen haben globale Verbraucher über Jahre ausschließlich über englischsprachige Websites bedient. War das die ganze Zeit ein Fehler?

 

Es gibt nur wenige Dinge, die Menschen auf authentischere und nachhaltigere Art und Weise miteinander verbindet als eine gemeinsame Sprache. Eine Sprache stärkt und fördert menschliche Beziehungen in unserem Alltag enorm. Das trifft sowohl auf die echte Welt, als auch online zu.

An dieser Stelle möchten wir näher auf Website-Seitenzugriffe und -Transaktionen eingehen. Es wird immer wieder darauf hingewiesen, dass Verbraucher Websites, die in der von ihnen bevorzugten Sprache verfasst sind, ein höheres Vertrauen entgegenbringen und mehr konsumieren.

Unternehmen auf vorwiegend einsprachigen Märkten sind sich der enormen Bedeutung der Sprache nicht bewusst, die diese für globale Online-Verbraucher hat. In diesem Zusammenhang schrieb ein Kolumnist in einem kürzlich veröffentlichten Artikel im The Guardian: „Die Sprache beeinflusst in entscheidendem Maß unsere Erfahrungen im Internet. Sie bestimmt, mit wem man in sozialen Medien interagiert und oft, wie man sich in diesen Communitys verhält. Sie bestimmt, wie viele – falls überhaupt – Informationen Sie Wikipedia entnehmen können ... Im Endeffekt scheinen sich die Grenzen des Internets aus Ihrer eigenen Sprache zu ergeben.“

Vor 20 Jahren haben Forscher festgestellt, dass etwa 80 % der Inhalte im Internet in englischer Sprache veröffentlicht wurden. Zu dieser Zeit war dieser Umstand nicht wirklich überraschend: Das Internet wurde ursprünglich in den USA und Großbritannien entwickelt und der Großteil der ursprünglichen Inhalte wurde für Nutzer aus diesen Ländern verfasst. Darüber hinaus sorgten die ausgereiften Infrastrukturen dieser Märkte dafür, dass diese Bevölkerungen das Internet schnell immer intensiver nutzten. Daher ergab es sich, dass diese Online-Inhalte bevorzugt in dieser Sprache veröffentlicht wurden.

Immer mehr Führungskräfte möchten und müssen die Erwartungen der Anteilseigner ihrer Unternehmen an ein Unternehmens- und Umsatzwachstum erfüllen und entscheiden sich für die Ansprache von Verbrauchern auf globalen Online-Märkten, da dies eine leistungsstarke und rentable Methode ist, um dies zu erreichen.

Jedoch haben uns unsere Erfahrungen und Untersuchungen gelehrt, dass Führungskräfte diese neuen globalen Verbraucher nicht ausschließlich über englischsprachige Websites bedienen können. Das Internet hat sich seit Mitte der 90er-Jahre extrem verändert, genauso wie die Welt an sich.

Unternehmen müssen sich diesen Entwicklungen anpassen.

Heute herrschen andere Bedingungen als früher

Warum ist es heute undenkbar, globale Online-Märkte ausschließlich mit englischsprachigen Websites zu bedienen? Neueinsteiger erleben immer noch einen atemberaubenden Anstieg der internationalen Internetnutzung, der sich ebenfalls entscheidend auf Online-Inhalte auswirkt. In diesem Jahr hat die weltweite Anzahl an Internetnutzern 3,5 Milliarden Menschen erreicht. Dies entspricht einem atemberaubenden Anstieg um 58 % gegenüber den 2,21 Milliarden Nutzern, die im Jahr 2015 erfasst wurden. Ein Großteil dieses Wachstums ist auf aufstrebenden Märkten zu beobachten, auf denen Englisch als Zweit- oder Drittsprache gesprochen wird. (In einigen Ländern wird die Sprache kaum gesprochen.)

Vor zehn Jahren ist die Anzahl der englischsprachigen Online-Inhalte von 80 % auf knapp 45 % gefallen. Heute gehen Experten von einer noch niedrigeren Anzahl an englischsprachigen Inhalten aus – möglicherweise liegt der Anteil sogar unter 40 % – vor allem aufgrund des schnellen weltweiten Anstiegs der Nutzung von sozialen Medien, die es Konsumenten ermöglichen, in den von ihnen bevorzugten Sprachen über die Geräte ihrer Wahl zu kommunizieren. Auf aufstrebenden Märkten erfolgt dies häufig über Mobilgeräte und Smartphones.

Eine Studie aus dem Jahr 2011 wies darauf hin, dass die Anzahl der nicht englischsprachigen Websites zwischen den Jahren 2001 und 2011 enorm angestiegen war. Obwohl der Zugriff auf englischsprachige Online-Inhalte zu dieser Zeit zunahm, war er im Vergleich zum Anstieg der arabischen, russischen, chinesischen und spanischen Online-Inhalte vergleichsweise gering. Die Forschungen eines Schriftstellers haben ergeben, dass noch vor 20 Jahren über 80 % der Internetnutzer englische Muttersprachler waren. Dieser Anteil ist bis zum Jahr 2010 auf etwa 27 % gefallen.

Aktuellere Statistiken weisen ebenfalls auf diese Entwicklung hin. Es ist mittlerweile allgemein bekannt, dass Chinesisch die am zweithäufigsten verwendete Online-Sprache ist. (Immerhin ist seit dem Jahr 2000 die Anzahl der chinesischsprachigen Internetnutzer um unglaubliche 2.227 % angestiegen. Im Vergleich dazu ist die Anzahl der englischsprachigen Nutzer innerhalb desselben Zeitraums lediglich um etwa 570 % angestiegen.) Die spanischen Nutzer belegen mit Abstand Rang 3, während die arabischsprachigen Nutzer auf Platz 4 rasant zunehmen.

Dies gilt insbesondere für soziale Medien. Die Nutzung sozialer Medien – die häufig in der bevorzugten Sprache eines Markts erfolgt – ist auf globalen Märkten, auf denen Englisch nicht sehr weitläufig oder neben zahlreichen anderen lokalen Sprachen verwendet wird, besonders hoch. In diesem Zusammenhang möchten wir detaillierter auf die Situation in China und Indien eingehen, da hier weltweit soziale Medien am intensivsten genutzt werden. In fünf Jahren wird knapp die Hälfte der chinesischen Bevölkerung – dies werden zu diesem Zeitpunkt knapp 1,4 Milliarden Menschen sein – soziale Netzwerke nutzen. In China ist Englisch keine primär gesprochene Sprache und auch in Indien sprechen etwa 90 % der Einwohner kein Englisch.

(Laut dem The Wall Street Journal, greifen 50 % der indischen Online-Verbraucher auf in ihren lokalen Sprachen verfasste Inhalte zu. Hindi ist die auf diesem Markt am häufigsten gelesene Sprache, jedoch stellen Herausgeber von Online-Inhalten ebenfalls Tamil, Marathi und andere lokalen Sprachen zur Verfügung. „Es gibt keinen vernünftigen Grund, warum sie im Internet englischsprachige Inhalte zur Verfügung stellen sollten, wenn die Sprache offline wenig genutzt wird“, hieß es im Bericht des WSJ.)

Studien weisen darauf hin, dass etwa die Hälfte aller Twitter-Tweets nicht in englischer Sprache verfasst werden – wobei japanische, spanische, portugiesische und indonesische Menschen zu den aktivsten Nutzern zählen. Diese Nutzer aus verschiedenen Märkten nutzen oftmals Twitter (und andere soziale Netzwerke) aufgrund der einzigartigen Merkmale ihrer jeweiligen Schriftsprache auf verschiedene Art und Weise. Ein Beispiel: Da die chinesische Schriftsprache häufig einzelne Zeichen für gesamte Wörter oder Ausdrücke verwendet, können chinesische Twitter-Nutzer mit 140 Buchstaben mehr Informationen vermitteln als Nutzer aus anderen Sprachen.

Der Einfluss auf das Geschäft

Hat die sich ständig entwickelnde linguistische Situation einen Einfluss auf das globale Online-Geschäft? Auf jeden Fall. In einer oftmals angeführten Umfrage von Common Sense Advisory aus dem Jahr 2006 gaben 73 % der Befragten an, bevorzugt auf in ihrer Muttersprache verfassten Websites einzukaufen. Acht Jahre später führte die Organisation eine weitreichendere Studie durch. Inzwischen war die Nachfrage der Verbraucher auf 75 % angestiegen.

Darüber hinaus fand Common Sense Advisory heraus, dass knapp 60 % der Befragten „entweder mehr Zeit auf in ihrer eigenen Sprache verfassten Website als auf englischsprachigen Websites verbringen oder englischsprachige Websites vollständig meiden“.

Dieses Nutzerverhalten lässt sich jedoch nicht nur auf aufstrebenden Märkten beobachten. In einer Studie aus dem Jahr 2011, bei der das Verhalten europäischer Online-Verbraucher untersucht wurde, gaben 90 % der Befragten an, auf in verschiedenen Sprachen verfügbaren Websites immer ihre eigene Sprache auszuwählen. Knapp 20 % gaben an, dass sie niemals Websites besuchen, die nicht in ihren Sprachen zur Verfügung stehen. Außerdem gaben über 40 % der Befragten an, niemals Produkte und Dienstleistungen auf in anderen Sprachen verfassten Websites zu kaufen.

Darüber hinaus konnte Common Sense Advisory herausfinden, dass über die Hälfte der globalen Verbraucher bereit sind, mehr für ein Produkt auszugeben, falls die Produktinformationen online in der von ihnen bevorzugten Sprache angeboten werden.

Experten schätzen, dass 80 % Prozent der Online-Inhalte in diesen 10 Sprachen bereitgestellt werden: Englisch, Chinesisch, Spanisch, Japanisch, Arabisch, Portugiesisch, Deutsch, Französisch, Russisch und Koreanisch. Laut den Daten von Common Sense Advisory gehören diese Sprachen gemessen an ihrer Kaufkraft ebenfalls fast ausnahmslos zu den 10 führenden Sprachen.

Fazit

Eines ist offensichtlich: Die englische Sprache ist bereits seit vielen Jahren nicht mehr die lingua franca des Internets. Aufgrund der steigenden weltweiten Nutzung des Internets spielen immer mehr Märkte (und ihre lokal bevorzugten Sprachen) eine immer entscheidendere Rolle im globalen Online-Handel.

Um global wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen Unternehmen aus fast allen Branchen Online-Erfahrungen auf den jeweiligen Märkten, in den bevorzugten Sprachen und über die von den lokalen Verbrauchern bevorzugten Geräte anbieten. Eine Befolgung dieser Best Practices ist von entscheidender Bedeutung, um internationale Unternehmenserfolge zu erreichen.

Sie möchten mehr über darüber erfahren, wie sich das globale Internet entwickelt und wie Ihr Unternehmen clever Sprachen, intelligente Marketingmaßnahmen und andere Methoden nutzen kann, um seinen Umsatz im Jahr 2017 und darüber hinaus zu steigern? Dann nehmen Sie Kontakt zu uns auf, um weitere Informationen zu erhalten.

 

Chris Hutchins

Marketing Communications Specialist

Die Aufgabe von Chris Hutchins bei MotionPoint besteht unter anderem darin, Vertriebs- und Marketingmaterialien zu erstellen.

 

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