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Chris Hutchins

09. Februar 2017

Bietet die Neural Machine Translation dieselbe Qualität wie Humanübersetzungen? (Teil 2)


Bei Übersetzungen sind Menschen gegenüber Maschinen weiterhin überlegen. Erfahren Sie, inwieweit die MotionPoint-Technologie Menschen zu sogar noch besseren Website-Übersetzern macht.

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09. Februar 2017

Anmerkung der Redaktion: Dies ist Teil 2 einer 2-teiligen Reihe. Hier finden Sie Teil 1.

Wie wir vergangenen Mittwoch berichtet haben, sorgt der aktuelle Durchbruch der besonderen Technologie Neural Machine Translation (NMT) innerhalb der Übersetzungsbranche und darüber hinaus für jede Menge Furore.

Darüber hinaus wundern sich auch aufstrebende Unternehmen zunehmend über die Leistungsfähigkeit der Maschinenübersetzung – insbesondere, wenn sie als Lösung zur Website-Übersetzung genutzt wird, um globale Online-Verbraucher in den von ihnen bevorzugten Sprachen zu bedienen.

Es gibt viele gute Gründe, online in internationale Märkte zu expandieren. In den meisten Branchen bieten diese lokalen Konsumenten Unternehmen ein riesiges Marketingpotenzial und enorme Möglichkeiten der Umsatzsteigerung. In dieser Hinsicht ist das Anbieten von Websites in den von diesen Märkten bevorzugten Sprachen – besonders den zunehmenden Verbrauchern aus der Mittelschicht – ein entscheidender Schlüssel zum Erfolg.

60 % der globalen Verbraucher, die Englisch als Zweitsprache sprechen, tätigen selten Käufe auf englischsprachigen Websites.

Aktuell tätigen etwa 60 % der globalen Verbraucher, die Englisch als Zweit- oder Drittsprache beherrschen, selten oder nie Käufe auf englischsprachigen Websites. Trotz ihrer fließenden Kenntnisse der englischen Sprache bevorzugen sie es dennoch, auf Websites einzukaufen, die in ihrer Muttersprache verfasst sind.

Aufgrund der entscheidenden Bedeutung der Sprachen für das globale Online-Marketing und den Online-Handel sind Maschinenübersetzungen ebenfalls von Belang. Sind die kürzlichen NMT-Innovationen – und die intensive Nutzung der Verbraucher herkömmlicher Softwares der Maschinenübersetzung – ein neuerlicher Grund, Maschinenübersetzungen auf globalen Websites zu nutzen?

Nein. Wir haben bereits in Teil 1 unserer Reihe darauf hingewiesen, dass die Maschinenübersetzung weiterhin den zweifelhaften Ruf genießt, unzuverlässig und riskant zu sein, vor allem für Unternehmen, die einen besonderen Wert auf die Wortwahl, Wortspiele und kreative Werbetexte legen.

Außerdem sind Branchen mit hochsensiblen Inhalten – darunter die finanzielle Situation von Familien, Informationen über die Gesundheit und über die Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen – besonders von den Fehltritten von Maschinenübersetzungen bedroht. Marken mit einem besonderen Image erhalten von Maschinenübersetzungen ebenfalls nur unzureichende Ergebnisse.

Eric Frank, Global Account Director des Vertriebsteams von MotionPoint, gibt in diesem Zusammenhang weitere Erklärungen.

„Einer unserer Kunden aus dem Modehandel hat ein sehr starkes Markenimage“, sagt Frank. „Der flippige Stil des Unternehmens ist sehr wichtig, da er dessen junge Zielgruppe effektiv anspricht.“ Um das Interesse dieser Verbraucher zu wecken, müssen Inhalte in deren Sprache auf relevante, glaubhafte und coole Art und Weise bereitgestellt werden.

Marken mit einem besonderen Image erhalten von Maschinenübersetzungen nur unzureichende Ergebnisse.

„Maschinenübersetzungen können in dieser Hinsicht keine Persönlichkeit vermitteln und keinen Funken überspringen lassen“, führt er weiter aus. „Beim Lesen erscheinen diese Inhalte merkwürdig. Sie wirken banal und selbst wenn Sie nicht wissen, dass diese Inhalte niederer Qualität sind, werden Sie es dennoch spüren.“

Gründe für die Überlegenheit von Humanübersetzungen

Wir haben ebenfalls mit Juan V. Ayala Millán, einem Site Redesign Manager bei MotionPoint, über dieses Thema gesprochen. Ayala Millán und andere Sprachwissenschaftler von MotionPoint sind der Ansicht, dass Maschinenübersetzungen immer enttäuschen werden, solange ein Computer den menschlichen Verstand nicht vollständig nachahmen kann.

„Unserer Meinung nach ist das Verständnis der Mechanismen der Sprachen gleichbedeutend mit dem Verständnis der Mechanismen des menschlichen Denkens“, erklärt Ayala Millán, „und dieses Denken wird durch die Muttersprache des Individuums ausgedrückt. Die Qualität von Maschinenübersetzungen wird stets darauf beschränkt sein, wie gut die Komplexität des menschlichen Gehirns nachgeahmt werden kann.“

Dies ist eine gängige Meinung unter Sprachwissenschaftlern ... und sogar unter den meisten Verfechtern der Maschinenübersetzung. Es ist weithin bekannt, dass Maschinenübersetzungen in Hinblick auf die Wortwahl häufig eine angemessene Konsistenz vermissen lassen. Entweder werden Wörter ausgelassen oder Inhalte werden direkt falsch übersetzt. Darüber hinaus gibt es weitere technische Einschränkungen. Die Technologie ist einfach noch nicht ausgereift und dies ist jedem Experten bewusst.

Obwohl Maschinen Schach spielen, können sie dennoch keine Bücher oder Gedichte schreiben, eine Tätigkeit, die der von Übersetzern definitiv ähnelt.

„Wir konnten bereits beobachten, wie Roboter gegen professionelle Schachspieler gespielt und sogar gewonnen und andere unglaubliche Dinge vollbracht haben“, sagt Ayala Millán. „Dennoch können Maschinen bisher keine Bücher oder Gedichte schreiben, eine Tätigkeit, die der von Übersetzern definitiv ähnelt. Selbst die begeistertsten Verfechter von Maschinenübersetzungen geben zu, dass Menschen immer noch die sorgfältigsten und authentischsten Übersetzungen anfertigen.“

Minimale Kosten, maximale Wirkung

Es gibt einen Vorteil von Maschinenübersetzungen gegenüber Humanübersetzungen, der nichts mit der Qualität oder Lesbarkeit zu tun hat. Es dreht sich um den Kostenaspekt: Unserer Meinung nach überwiegen die Risiken, der Zeit- und Arbeitsaufwand bei der Prüfung von Maschinenübersetzungen gegenüber diesem Vorteil ... dennoch kann nicht bestritten werden, dass im Rahmen der Implementierung globaler Websites von Maschinen übersetzte Inhalte wesentlich günstiger (wenn nicht sogar kostenlos) sind. Andererseits erhalten Sie für die höheren Kosten auch eine bessere Qualität. Hochwertige, die besonderen Anforderungen von Marken berücksichtigende Humanübersetzungen stellen eine Investition dar. MotionPoint nutzt diese Humanübersetzungen, entwickelt allerdings zusätzlich innovative Technologien und Dienstleistungen, um die Übersetzungskosten zu minimieren.

Beispielsweise nutzt unsere Segment-Optimierung Übersetzungen auf eine neuartige Weise, um die Übersetzungskosten um mindestens 20 % zu reduzieren. Darüber hinaus werden die Kosten des Eintritts in neue Märkte dank der cleveren Nutzung von Übersetzungen unseres exklusiven Multi-Country Sequencer um mindestens 75 % gesenkt.

Eric Frank von MotionPoint stellt einen weiteren Ansatz vor. Unternehmen können auf ihren globalen Websites kürzere Produktbeschreibungen (oder andere Inhalte) erstellen. Somit können bei weiterhin authentischer Vermittlung des Markenimages die Kosten (dank einer reduzierten Wortanzahl) proaktiv reduziert werden. Laut Frank konnten einige MotionPoint-Kunden mit diesem Ansatz bereits besondere Erfolge feiern.

„Wir haben bei einem unserer Kunden aus dem Einzelhandel einen speziellen A/B-Test durchgeführt, um diesen Aspekt zu untersuchen“, sagt Frank. „Wir haben die Umsetzungsraten von übersetzten, etwa 75 Wörter langen Produktbeschreibungen mit denen etwa 25 Wörter langer Beschreibungen verglichen. Dabei konnten wir feststellen, dass hinsichtlich der Umsetzungsraten keinerlei Unterschiede zu erkennen sind. Somit wurde offensichtlich, wie wir und unsere Kunden gemeinsam clever Kosten einsparen konnten.“

Obwohl es ungewöhnlich ist, hat MotionPoint einigen seiner Kunden Maschinenübersetzungen empfohlen. Solche Unternehmen betreiben oftmals riesige E-Commerce-Websites mit Millionen von Wörtern. Um die Übersetzungskosten entscheidend zu reduzieren, empfehlen wir gelegentlich beispielsweise Maschinenübersetzungen für Produkttitel.

MotionPoint entwickelt zusätzlich innovative Technologien und Dienstleistungen, um die Übersetzungskosten zu minimieren.

„Doch selbst in solchen Fällen“, betont Ayala Millán, „bestehen wir bei markenbezogenen Inhalten oder wortreichen und trendigen Produktbeschreibungen, die detaillierte Kenntnisse der Ursprungs- und Zielsprache erfordern, auf Humanübersetzungen.“

Um weitere Kosteneinsparungen zu ermöglichen, bietet MotionPoint seinen Kunden zwei verschiedene Arten von Humanübersetzungen an. Unser Angebot „Enterprise“ bietet einen mehrstufigen Übersetzungsprozess mit Korrekturlesen und Überarbeitung. Unser Angebot „Professional“ beinhaltet weniger Korrekturlesen und ist somit günstiger. Dennoch bieten Ihnen beide Ansätze einzigartige Übersetzungen.

Andere Unterscheidungsmerkmale

Ein weiterer Aspekt, der die Überlegenheit von Humanübersetzungen gegenüber Maschinenübersetzungen belegt, ist die Fähigkeit, kritisch nachzudenken, zu improvisieren und in der Übersetzung die Wörter zu nutzen, die am besten geeignet sind.

Ein perfektes Beispiel ist das Wortwachstum, mit dessen Herausforderungen Übersetzer im Gegensatz zu Maschinen umgehen können. Dieses gängige Phänomen tritt häufig bei Übersetzungen von Inhalten in romanische Sprachen wie die spanische Sprache auf, die gegenüber dem englischen Ursprungstext oftmals in mehr Wörtern oder Buchstaben resultieren. (Spanische Inhalte können um bis 30 % länger sein als der entsprechende englische Text.)

Diese zusätzlichen Inhalte können sich negativ auf das Layout der Seiten auswirken und sogar das sorgfältig für englischsprachige Inhalte erstellte Design der Vorlagen zerstören.

Die MotionPoint-Plattform nutzenden Übersetzer können kinderleicht nachvollziehen, wie sich diese Übersetzungen auf die aktuelle Website auswirken und diese in Echtzeit anpassen, um Probleme zu vermeiden. Maschinenübersetzungen können dies nicht. Diese MotionPoint-Technologien stellen Übersetzern eine Integrität im kontextuellen Bereich und eine vollständige Perspektive auf die Inhalte einer Seite zur Verfügung.

Die MotionPoint-Plattform nutzenden Übersetzer können kinderleicht nachvollziehen, wie sich das Wordwachstum auf die aktuelle Website auswirkt und entsprechend Anpassungen vornehmen.

Laut Eric Frank führt diese Sichtbarkeit ebenfalls zu wesentlich hochwertigeren Übersetzungen. Dank des MotionPoint-Ansatzes „können Übersetzer die Bilder auf der jeweiligen Seite sehen. Sie können die Paragrafen vor und nach dem Text sehen, den sie gerade übersetzen. Außerdem können sie die gesamte Kernaussage der Seite wahrnehmen“, sagt er.

„Ohne diesen entscheidenden Kontext übersetzen sie lediglich einzelne Textkörper hintereinander und hoffen, dass diese letztendlich einen Zusammenhang ergeben werden. Üblicherweise ist dies nicht der Fall, sodass anschließend kostspielige Korrekturarbeiten erforderlich sind.“

Fazit

Wir leben in aufregenden Zeiten und die atemberaubenden technologischen Fortschritte der Neural Machine Translation stehen zu Recht seit Monaten im Fokus des Interesses.

Dennoch sind alle Arten von Maschinenübersetzungen den Ergebnissen eines gut ausgebildeten Übersetzers weiterhin stark unterlegen. Menschen können kreative Zwecke erschließen, bei Platzbeschränkungen Übersetzungen anpassen und markenspezifische Übersetzungen auf eine Art und Weise anfertigen, wie es Maschinen eventuell niemals möglich sein wird.

Das schlichte Konzept von Übersetzungen als ein „Austausch von Wörtern“ anstatt einer „Vermittlung von Ideen“ ist laut dem Manager und Sprachwissenschaftler von MotionPoint, Juan V. Ayala Millán, einer der Gründe dafür, dass einige Menschen meinen, Maschinenübersetzungen würden schon bald die Qualität von Humanübersetzungen erreichen.

„Allerdings ist die der Beziehung zwischen Sprache und Denken innewohnende komplexe Natur der Grund dafür“, sagt Ayala Millán, „dass Maschinenübersetzungen erst die Qualität von Humanübersetzungen erreichen können, sobald wir das menschliche Gehirn vollständig verstanden haben und nachahmen können.“

Doch liegt dies noch in weiter Ferne.

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