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1. Dezember 2003

Das Geschäft mit spanischsprachigen Zeitungen boomt.
VON ELIZABETH LLORENTE

An einem einzigen Tag im Spätsommer erschienen spanischsprachige Zeitungen in Orlando, Chicago und Dallas zum ersten Mal. Die gleichzeitigen Neuerscheinungen unterstrichen einen Boom, der die Anzahl der spanischsprachigen Zeitungen in den USA von 232 im Jahr 1970 auf derzeit mehr als 500 verdoppelt hat.

Das Wachstum war eine natürliche Folge des Booms in der lateinamerikanischen Bevölkerung und folglich ihrer steigenden Kaufkraft. Es war nur eine Frage der Zeit, bis die amerikanische Unternehmenswelt mit dicken Werbedollar-Bündeln wedeln würde, um die entstehende ethnische Goldgrube zu erreichen.

„So wie unsere Gesellschaft wächst und sich entwickelt, so wächst auch die Konkurrenz um unsere Zeit und unsere Ressourcen“, sagte Alejandor Aguirre, stellvertretender Redakteur und Herausgeber der „Diario Las Américas“ mit Sitz in Miami, das sein 50. Jubiläum feiert. Die Erkenntnis ist eingetreten, sagte er, dass Unternehmen, Politiker und andere, die sich die Mühe machen, Ihre Botschaft an die spanischsprachige Bevölkerung der Vereinigten Staaten zu übermitteln, reich belohnt werden.

„Spanisch ist in diesem Land keine Fremdsprache mehr“, fügte Aguirre hinzu. „Spanisch wird weiterhin zunehmen und wir werden eine zweisprachige Nation sein. Die Bevölkerung, die von spanischsprachigen Medien bedient wird, ist keine vorübergehende Erscheinung. Es ist von Dauer.“

Zeitungen in spanischer Sprache können an einst ungewöhnlichen Orten wie Lexington (Kentucky) und Wichita (Kansas) gefunden werden. Viele von ihnen begannen als kleine wöchentliche oder monatliche Ausgaben, aber die Nachfrage hat die Investoren überzeugt, mehr Geld für häufigere Ausgaben zu investieren.

Knight Ridders „La Estrella“ in Fort Worth (Texas) zum Beispiel, hat kürzlich seine zweiwöchentlich erscheinende Ausgabe erweitert, so dass sie nun fünfmal die Woche unter einem neuen Namen - Diario La Estrella - erscheint. In Chicago lässt die Tribune Gesellschaft die ehemals wöchentliche spanischsprachige Zeitung „Exito“ nun täglich unter dem Namen „Hoy“ erscheinen, genauso wie die Schwesterzeitung in New York.

„Allein in Chicago gibt es 1,6 Millionen Hispanics“, sagte Christine Hennessey, Leiterin der Abteilung Gruppenkommunikation bei der Tribune. „Wir waren der Meinung, dass wir eine Tageszeitung in Betracht ziehen sollten.“

Ein motivierender Faktor, sagte Hennessey, war der durchschlagende Erfolg anderer spanischer Tageszeitungen. Eine der erfolgreichsten ist „El Nuevo Herald“, die Schwesterzeitung des „Miami Herald“. „El Nuevo“ wurde 1987 nach zwei weniger ehrgeizigen Versuchen, spanischsprachige Leser zu versorgen, ins Leben gerufen und weist eine große Belegschaft sowie eine Auflage von mehr als 90.000 Exemplaren auf.

Näher an der Heimat wurde Hennessey durch den beeindruckenden Erfolg von „Hoy“ in New York inspiriert. Die Zeitung eroberte 1998 die Zeitungskioske und wird von Newsday mit Sitz in Long Island vertrieben. In fünf Jahren wurde „Hoy“ die am schnellsten wachsende spanischsprachige Zeitung in New York, deren Auflage sogar die früher führende „El Diario-La Prensa“ übertrifft. „Sie übertraf alle unsere Erwartungen“, sagte Louis Sito, Leiter der Abteilung für spanische Medien bei der Tribune Company.

Gerson Borrero, ein Kolumnist und früherer Chefredakteur von El Diario-La Prensa, begrüßt die neue Zeitung in der Stadt und stimmt mit anderen Redakteuren und Herausgebern überein, dass der durch die steigende Anzahl an Zeitungen ausgelöste Wettbewerb diese nur noch besser macht.

Wenn Borrero über die Umgestaltungspläne von El Diario-La Prensa spricht, die dieses Jahr von Entravision Communications für 19,9 Millionen USD an eine Gruppe von Investmentfirmen mit langfristigem Engagement im Medienbereich verkauft wurde, überschlägt sich seine Stimme fast vor Aufregung.

„Wir sind bereit, loszulegen“, sagte Borrero über seine Zeitung, die dieses Jahr das 90. Jubiläum feiert. Er warnt Latino-Journalisten allerdings davor, bei all den Verlockungen der englischsprachigen Medienimperien, welche spanischsprachige Zeitungen geradezu verschlingen, niemals ihr Ziel aus den Augen zu lassen. „Viele dieser Unternehmen, die uns aufkaufen, sehen in uns nur Dollarzeichen“, sagte er. „Diejenigen von uns, die zur Zeit so viel Aufmerksamkeit erfahren, müssen zu diesen Leuten sagen: ‚Gut, es ist Ihr Geld, aber es ist meine Gesellschaft.‘ Wir können nicht einfach nur ‚Jawohl mein Herr‘ sagen.“

Tatsächlich verzichten einige Zeitungen auf die Interessen ihres Unternehmens und ziehen es vor, auf eine wachsende Zahl von unabhängigen Investoren zu setzen, die daran interessiert sind, in dieses Geschäft einzusteigen. Lozano Enterprises geht sogar so weit, die Mehrheitsbeteiligung an der in Los Angeles erscheinenden spanischsprachigen Tageszeitung „La Opinion“ von der Tribune Company zurückzukaufen, die vor drei Jahren 50 Prozent dieser Zeitung erworben hatte. „La Opinion“ und eine wachsende Zahl anderer setzen darauf, dass die beste Wette für die Zukunft Unabhängigkeit von den Medienkonzernen ist.

Auf jeden Fall „müssen wir darauf bestehen, Zeitungen herauszubringen, welche die Menschen mit Respekt behandeln, die wir täglich ansprechen“, sagte Borrero. „Ich lebe in der Gemeinschaft, für die ich schreibe. Ich treffe meine Leser jeden Tag. Das ist für uns nicht einfach nur ein Markt, es ist ‚mi casa‘.“

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